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Weitere Informationen ‚Lieber Mensch,
ambivalence in balance – meine kraftvolle Kernaussage, die auf den Punkt bringt, welche Aufgabe (unter vielen weiteren) ich in uns Menschen sehe. Wir sind alle (mehr oder weniger) ambivalente Wesen voller Facetten, die mit- und auch gegeneinander schwingen. Ihr Einklang ist unser Frieden, den wir uns alle wünschen. In diesem Artikel werde ich mit dem schlechten Ruf um die Ambivalenz aufräumen und ihre Entstehung in uns Menschen erklären.
Wir leben in einer herausfordernden Welt – mit Gegensatz und Widerspruch!
Wir alle haben jeden Tag mit zig tausend unterschiedlichen Themen zu tun. Gesellschaftlich wie privat sind wir mit großen Herausforderungen konfrontiert. Der technologische Wandel, die Digitalisierung, der moderne Fortschritt – all das macht uns vieles leichter, doch unsere Welt auch zunehmend komplexer. Mit dem äußeren Wachstum steigt der innere Druck – eben bei diesem Wachstum mitzuhalten. Gleichzeitig sehnen wir uns ebenso nach innerer Ruhe, Stabilität und Entspannung. Ein passendes Beispiel für eine ausgeklügelte Ambivalenz.
Wachstum vs. Entspannung?
Hier treffen Kräfte aufeinander, die auf den ersten Blick im Gegensatz zueinander stehen. Das Gehirn registriert blitzschnell, dass da etwas nicht passt und schließt ein Übereinkommen aus. Ein Fehler aus Faulheit! Denn genaues Hinsehen und aktives Überlegen braucht Kapazität, die das Gehirn ungern aufwendet. Schon gar nicht für eine so (vermeintlich) glasklare Unstimmigkeit. Dabei ist dieses Beispiel alles andere als glasklar getrennt wie anderes in unserer Welt. Schauen wir hin!
MISSVERSTÄNDNIS Nr. 1: Ambivalenz = Widerspruch
Dass der Südpol nicht zum Nordpol kommt und umgekehrt ist glasklar. Sie bilden einen unverschmelzbaren Gegensatz und brauchen sich im gleichen Zuge einander. Sonst gäbe es keinen von beiden. Oben / unten. An / Aus. Sommer / Winter. Himmel / Hölle. Viele weitere Beispiele sind bekannt, die diese Polarität – oder auch Dualität – beschreiben, wo es niemals zur selben Zeit ein gemeinsames Match gibt. Entweder Du bist beim einen ODER beim anderen.
Anders ist es bei der Ambivalenz. Hier handelt es sich ganz wortwörtlich um Doppelwertigkeit – die nur im ersten Moment gegensätzlich wirkt. Das Aufeinandertreffen lässt erstmal keine sofortige Symbiose (Verschmelzung) vermuten. Müssen sie ja auch nicht. Eine Annäherung – ein Zuwenden – ein Handschlag – und damit eine Akzeptanz des jeweils anderen verbindet zu einer energiegeladenen Mission im Gleichgewicht. Schwarz / Weiß und Hell / Dunkel sortiere ich hier klassischerweise ein. Zusammen haben sie wunderschöne Abstufungen, Facetten und Kombinationsmöglichkeiten und können ebenso für sich allein stehen!
Zurück zum Beispiel: Ist Wachstum und Entspannung nun ein unüberwindbarer Gegensatz oder ein vereinbarer Widerspruch?
Die Frage beantwortet Dir in Bezug auf Deinen Körper. Ohne einvernehmlichen Wechsel aus Entspannung und Wachstum wärst Du nicht gesund entwickelt. Kein 30cm Schuss in einem Monat – eher 30 Monate ein Zentimeter. Jede Wachstumsphase wird von Entspannung abgelöst. Jede Entspannungsphase lädt Akkus und schafft Raum für neue kreative Ideen, die für neues Wachstum sorgen. Ein unendlicher Kreislauf, der unsere Welt zu immer neuen Höhen führt.
Es spricht nichts gegen Wachstum ~ nichts gegen Entspannung.
Wir brauchen beides in gesundem Maß für ein entspanntes Wachstum!
Dieses Beispiel zeigt im gleichen Zuge, wo wir Menschen in eine persönliche Notlage geraten können – wenn wir uns nicht drum kümmern. Denn nicht nur der Körper oder die äußere Welt bedient sich des Widerspruchs. Unsere Innenwelt – unsere Persönlichkeit – erlebt sich im selben Paradoxon.
MISSVERSTÄNDNIS Nr. 2: Ambivalenz = angeborenes Phänomen
Ambivalenz wird unter uns Menschen nicht gern gesehen. Bitte glatt und unkompliziert soll es laufen. Das Leben ist schließlich schon anstrengend genug. Da müssen wir Menschen es uns ja nicht noch oben drauf schwer machen.
So lautet die Aussage der Allgemeinheit, die mir zu dem Thema Ambivalenz oft widerfahren ist. Den letzten Satz würde ich noch mit unterschreiben, doch zuvor möchte ich einladen zu verstehen, warum wir es uns manchmal so schwer machen. Ansonsten ein netter Versuch die menschliche Psyche auf eine Funktionalität herabzudrehen, was sie zu 100%iger Sicherheit nicht mit sich machen lässt. Wir sind keine Funktionsobjekte – wir sind Wachstumswesen!
Wir wachsen alle widersprüchlich auf!
Ambivalenz ist Teil eines natürlichen Wachstumsprozesses, den wir alle in unserer Kindheit mitnehmen und uns wahrlich einverleiben. Es beginnt gleich zu Beginn mit dem Aufeinandertreffen Deiner unschuldigen Natur auf Deine Bezugspersonen/Eltern beim Eintreffen auf der Erde. Denn: Das eigene Fleisch und Blut in Miniformat ist kein Klonen! Klar, Gene mischen sich – und allein dadurch entsteht Widerspruch im System – doch Du selbst bist eine einzigartige Seelennatur. Once in a lifetime! Du hast etwas Einzigartiges im Gepäck, das ggf. nicht mit dem Profil der Eltern vollends übereinstimmt – und daher kollidieren kann.
Wache Eltern wissen das und beziehen die Natur des Kindes mit in ihre Entdeckungsreise ein. Sie bekommen die Möglichkeit sich frei zu entfalten und bekommen faire und passende Rahmenbedingungen, in denen sie wachsen und gedeihen können – und werden dabei unterstützend begleitet! Hier entsteht kein gravierender Widerspruch in der Persönlichkeitsentfaltung. Sie brauchen später keine Entwicklung, da sie sie selbst werden dürfen und sich höchstens noch weiter entfalten möchten!
Ein Paradies auf Erden, das die Mehrheit der Kinder nicht erlebt hat. Denn der Großteil der Menschen lebt noch im Dämmer- oder Tiefschlaf, was ihnen selbst nicht bewusst ist. Es geht hier nicht um Schuld! Die Generationen vor uns waren schlichtweg mit anderen Themen als Persönlichkeitsentdeckung beschäftigt. Sie haben alle ihr Bestmögliches getan – und aus ihrem Wissen geschöpft. Wir dürfen nun heute dieses Feld aufdecken.
Kinder kommen also – hoffentlich zumindest erwünscht – auf die Welt und müssen sich eher an die Gepflogenheiten der Umgebung anpassen. Die Eltern haben das Sagen! Da ist kein Platz für die eigene freie Entfaltung und wenn, dann nur in einem schmalen Rahmen, der den Bezugspersonen selbst vertraut ist. Da prallen Welten aufeinander, in denen das Kind mitunter keine Chance hat, seine eigene kennenzulernen.
Es lernt etwas anderes kennen und verinnerlichen:
– Werte und Ideale, die ggf. nicht ihrer eigenen Natur entsprechen
– Regeln, wie sie sich zu benehmen haben
– Verhaltensweisen, mit denen sie sich in der Welt behaupten können
– Schutzmechanismen, die sie vor erneuten Verletzungen bewahren sollen
– unliebsame Stimmen von außen, die zu ihrer inneren Stimme werden
Alles unter dem Motto:
Sicherheit und Überleben steht als absolute Priorität auf der Lebensordnung.
Anpassung und PersönlichkeitsVERwicklung sind als Folge die Grundsteine für eine mehr oder weniger ausgeprägte Ambivalenz – der eigenen natürlichen Persönlichkeit gegenüber, die ggf. nie wirklich das Licht der Welt erblickt hat. Ambivalenz ist also keine angeborene schräge Natura, die nervt. Es ist ein Ausdruck eines schützenden Lebenskonstrukts auf der einen Seiten, das zur eigenen Natur auf der anderen Seite in großem Widerspruch steht.
Klingt dramatisch. Ist es manchmal auch.
Doch wo Schatten ist, ist auch Licht!
Denn die Fähigkeit eine Ambivalenz überhaupt aufzubauen und zu leben, gleicht einem Meisterwerk! Und dieses Phänomen trifft nicht jeden Menschen gleich. Die extremeren Ausläufer bedienen spannenderweise meist Menschen, die in ihrer wahren Persönlichkeit auch sehr facettenreich und vielseitig begabt sind. Als hätte die Seele sich die Schattenseite dazu geholt, um auch das einzubeziehen. Für ein wahres Gleichgewicht – im vollumfänglichen Sinne!
Im zweiten Artikel zur Ambivalenz erfährst Du zudem
– wie und wo sich ambivalente Züge in Deinem Leben zeigen können
– warum dieses Phänomen ein wichtiger Erfolg in Deinem Leben ist
– und was Dir hilft, die Widersprüche Stück für Stück aufzuweichen
Für Dich zur eigenen Reflektion:
– Wo erkennst Du Gegensätze und Widersprüche in Deinem Leben? Was bleibt getrennt? Was wirkt weicher?
– Erkennst Du etwas in Dir, was sich nicht nach Dir anfühlt? Nach wem oder was fühlt es sich an?
– Welche Seite erahnst Du in Dir, die Du noch nicht vollständig lebst?




