Toxisches Schamgefühl I Wenn die Würde des Menschen im Kern verletzt wird

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Lieber Mensch,

kleine Info vorab: Ab dieser Folge findest Du den Podcast als Video auf YouTube.

Scham ist auf der Skala der erlebbaren Gefühle eines der untersten Kategorie! Keiner mag es. Keiner will es.

Dabei ist es gleichzeitig gar nicht so einfach – mir ging es zumindest so – es gleich als Schamgefühl zu identifizieren und zu verstehen, was da in dem Moment eigentlich passiert. Wenn uns die Schamesröte ins Gesicht steigt und wir am liebsten im Boden versinken möchten, dann hat es eine Ursache, die weit zurück liegt. Ansonsten würde unser Körper nicht erröten und wir uns nicht verstecken wollen. In diesem Artikel und in der Podcastfolge (bzw. ab jetzt auch als Video auf Youtube) gehe ich auf die Hintergründe ein und welches Verhalten sich in uns zeigt, solange wir die alte Erfahrung noch in uns tragen.

Scham ist ein natürliches Impulsgefühl!

Das Schamgefühl an sich ist nichts Schlechtes. Es ist eine natürliche Schutzfunktion, die uns aufzeigt, wenn etwas gegen unseren inneren Kern geht. Wenn uns jemand zu nah kommt, was uns unangenehm ist – mit Blicken, mit Worten, mit Taten. Wir alle haben einen inneren Raum, der heilig ist. Wenn wir das Gefühl haben, dass genau dort eine Grenze überschritten wird, tritt Schamgefühl ein. Als inneres Grenzsignal unglaublich wertvoll! Sie gibt uns den Impuls, ins Handeln zu kommen und etwas zu verändern. Eine Grenze zu ziehen, oder wenn wir das Gefühl haben, etwas „Falsches“ getan zu haben, hier eine Korrektur vorzunehmen. In alltäglichen Belangen kann das schon mal passieren – wir schreiben einen Namen verkehrt, wir senden eine Nachricht an einen Menschen, der gar nicht gemeint war. Diese Beispiele bringen uns dazu, uns zu entschuldigen und es wieder geradezubiegen. Wir bemühen uns und zeigen damit auch im Miteinander, dass uns unser Gegenüber nicht gleichgültig ist. Wir selbst wollen dabei natürlich auch Kritik und Ablehnung vermeiden. Völlig natürlich, wenn es im Rahmen bleibt.

Scham wacht über unsere Würde!

Die Würde des Menschen ist unantastbar. So ist es im Grundgesetz formuliert und wird jeden Moment zuhauf missachtet. Ungerechtfertigte Kritik und Respektlosigkeit, die den Selbstwert eines Menschen direkt trifft, ist würdelos! In diesen Fällen geht es nicht mehr, um das Verhalten eines Menschen sondern um den Menschen an sich, seinen inneren Wert und sein Recht, auf seinen Platz in der Welt. Das ist nicht diskutierbar, sollte man meinen. Und doch finden diese Grenzüberschreitung und Beschämung jeden Tag statt.

Es fällt kaum auf, da Scham selbst auch eins der meist verdrängten Gefühle der menschlichen Psyche ist. Wenn sie sich doch zeigt, fühlen viele Menschen neben einem vermeintlichen Fehltritt, der vielleicht Angst vor Ablehnung mit sich bringt, auch noch Angst, genau für dieses empfundene Schamgefühl abgelehnt zu werden. Hier müssen wir genau beobachten, ob hinter dem Auslöser, der im Hier und Jetzt diese Reaktion auslöst, eine alte Verletzung steckt, die damit einhergeht tiefe Beschämung zu Unrecht erfahren zu haben.

Toxische Scham folgt aufgrund erfahrener Beschämung!

Ein gesundes Maß an Scham ist wie gesagt völlig natürlich. Doch wenn Du es kennst, dass Du Dich für alles und jeden ständig rechtfertigt und entschuldigst, sobald Du (übertrieben gesagt) den Raum betrittst oder gar nichts mehr sagen magst, dann steckt in beiden Fällen eine tiefgreifende Erfahrung hinter, die noch nicht verarbeitet ist.

Der einzige Raum, in dem ohne Konsequenzen beschämt werden kann, ist unsere Kindheit. Hier gibt es keine neutralen Aufpasser oder Zivilstreife, die das Verhalten der Eltern ihren Kindern gegenüber beobachten. Ein Kind selbst kann diese Grenzen nicht immer ziehen und sich gegen die Eltern zur Wehr setzen. Der Rechtsstaat hört vor der Haustür auf, es sei denn, es passiert etwas offensichtlich „Gravierendes“. Ein Verdacht reicht natürlich nicht aus.

„Ich bin falsch!“

Einen heranwachsenden Menschen in seinem Selbstwert und seiner Würde anzugreifen, ist gravierend und verheerend für seine weitere Entwicklung. Wenn Kinder wiederholter Beschämung ausgesetzt sind, entwickelt sich in ihnen ein toxisches Schamgefühl. In ihnen verankert sich der Glaube, dass sie falsch sind, so wie sie sind. Manch ein Kind wird sich anpassen bis zur Verausgabung und wird dennoch keine Liebe der Eltern erfahren. Die Gründe sind vielseitig – eigene Überforderung und Trauma, existentielle Themen, Krankheiten vor allem aber unbewusstes Handeln. Im extremen Ausmaß werden Kinder bewusst instrumentalisiert, manipuliert, missbraucht und funktionalisiert. Und selbst das kann völlig unbewusst geschehen mit ebenso unterschwelligen Auswirkungen auf das Kind.

Un-/bewusste Ausläufer & Umgang mit toxischer Scham

Wenn Du tiefe Beschämung in Deinem Elternhaus erlebt hast, hast Du vermutlich ein Kompensationsverhalten erlernt. Häufiges Entschuldigen und Rechtfertigen, wo es gar nicht nötig ist, können Anzeichen sein. In mir war früher der Spruch im System: „Entschuldigung, dass ich geboren bin!“ Das kann ein wahrer Satz sein, wenn Du eigentlich kein Wunschkind warst und deine Existenz stetig negiert wurde. Neben diesem Anpassungsverhalten – people pleasing („Ich mache Dir alles recht!“) und Perfektionismus („Ich mache keine Mühe!“) gehen Menschen aber auch in die Gefühlslosigkeit.

Ich verstecke mich vor der Welt – dann bin ich sicher!

Mit Verstecken ist sinnbildlich gemeint, die eigenen Gefühle, Impulse und inneren Regungen für sich zu behalten bzw. abzuschalten. Das innere Licht des Menschen wird runtergedreht! Zum einem von außen durch die Eltern, die das Kind klein halten wollen – aber auch als mögliche innere Reaktion. Wenn ich nicht willkommen bin, ziehe ich mich zurück und mache alles mit mir allein aus. Im Erwachsenensein zeichnet sich das durch einen verlorenen inneren Draht aus. Du weißt vielleicht oft gar nicht, wie Du Dich fühlst oder was Du von Dir mitteilen könntest. Dahinter steckt neben der Scham auch ein tiefes Gefühl von Minderwertigkeit, das natürlich durch die ständige Beschämung entstanden ist. Wenn Du in Dir keinen Wert fühlst, ein willkommener Teil dieser Welt zu sein, dann ziehst Du dich zurück. Ein sehr nachvollziehbares Verhalten!

Je nachdem wie Deine Psyche veranlagt ist, bist Du als Kind entweder in den ständigen Kampfmodus gegangen („Ich muss mich beweisen und dafür leisten, dass ich was wert bin!“) oder in den völligen Rückzug („Es lohnt es nicht, die wollen mich nicht, ich stelle mich tot!“). Unaufgeräumt wirst Du heute dann vermutlich ähnliche Situationen erleben und Dich entsprechend Deiner gelernten Mechanismen verhalten. In beiden Fällen ist ein Gefühl von echter Freiheit nicht erfahrbar. Dein System muss ständig aufpassen, nicht beschämt zu werden. Deine echte Seite kommt dadurch natürlich nicht zum Vorschein, denn ich Deiner Erfahrung hast Du erleben müssen, das genau das nicht in Ordnung war.

Selbst wenn Menschen Dir aufrichtig suggerieren, dass sie Dich mögen und mit Dir in Verbindung sein wollen, schreckt ein Teil in Dir zurück? Würdige dieses Verhalten Deines inneren Kindes, wenn Du Dich wiedererkennst. Es ist absolut nachvollziehbar, dass sich gerade die verletzliche Seite eines Menschen, aber auch die gesamte authentische Seite nicht frei und ungehemmt zeigen wird. Die alte Erfahrung braucht Zuwendung und der darin enthaltene Schmerz will gesehen und gefühlt werden. Auch wenn wir Scham gern selbst verdrängen, da es wirklich kein schönes Gefühl ist – wenn Du Dich selbst befreien möchtest, geht der Weg durch diesen Schmerz.

In der Coachingszene wird viel darüber gesprochen: Sei Du selbst – zeige Dich authentisch! Ja, das will jeder! Doch wenn es noch nicht geht, hast Du hier vielleicht eine Idee gefunden, warum. Das ist kein Fehler in Dir! Du machst nichts falsch. Deine Innenwelt möchte die alte Geschichte nur nicht nochmal erleben und schützt Dich mit allen Mitteln, auch wenn es nicht mehr nötig ist. Die ersehnte Freiheit ist möglich, indem Du Dein inneres Gefühl kennenlernst und Dich durch den Schmerz fühlst. Wenn Du Dir dabei Begleitung wünschst, melde Dich gern.

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HANNAH KRAFT

Emotion & Entfaltung
gestatten statt verpacken!
Als Trauma-erfahrene & psych. Beraterin und Coach begleite ich Dich gern durch Deinen inneren Schatten ins Licht.

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