Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen ‚Lieber Mensch,
Du bist vieles! Natürlich bist Du ein Mensch mit einem einzigen Körper, hast ein einziges Leben und wirst als Du – Singular – angesprochen. Aber wenn wir psychologisch schauen, dann macht Dich so viel mehr aus. Es gibt unzählige Gefühle und Gedanken, die durch unser System strömen. Wir haben alle verschiedene Prägungen, Werte und Verhaltensideale gelernt. Und oben drauf bringst Du selbst von Beginn an viele unterschiedliche Facetten, Charaktereigenschaften, Gaben und Talente mit, dass wir spätestens bei Deinem inneren Wesenskern nicht von einer eindimensionalen Strichfigur ausgehen können. Gut so! Aber das macht unsere Psyche eben auch so komplex. Wenn das alles harmonisch zusammenpassen würde, hätten wir wohl kein Problem damit. Doch gerade wenn es sich für uns selbst nicht stimmig anfühlt, was wir da alles in uns tragen, wirkt das Ganze doch sehr undurchsichtig und kompliziert.
Doch das ist es nicht! Du kannst lernen, die Vogelperspektive einzunehmen, um Dein inneres Erleben einzugliedern. Was nach einer eher ernüchternden Arbeit klingt, hilft gerade in emotionalen Momenten, wo wir uns nach Entspannung sehnen. Der Stereotyp des inneren Beobachters bringt die gesunde und notwendige Distanz rein, um innerlich nicht im Chaos zu versinken. In diesem Beitrag erläutere ich die grobe Einordnung der inneren Anteile, mit der ich arbeite, sowie erste Schritte, die Dich in eine bewusste Beobachtung bringen. Kontinuierliches Training vorausgesetzt!
Persönlichkeitsanteile: Freud & Jung treffen Dein inneres Kind
Erst vor 100 Jahren haben die ersten Züge der beschreibenden Psychologie begonnen. Wir sind also in einer sehr jungen Entwicklungsphase, die von Urvätern wie Siegmund Freud und Carl-Gustav Jung geprägt wurden. Bis heute greift das Urmodell zu den Persönlichkeitsanteilen nach Freud, der die Psyche in ein ES, ein ICH und ein Über-ICH eingliedert. Da das nicht so wirklich alltagstauglich klingt, habe ich es mit dem Modell des inneren Kindes kombiniert:
Dein ES alias Dein inneres Kind: In Dir gibt es Persönlichkeitsanteile, die alle frühen Erfahrungen in sich speichern. Neben dem Gelernten sind das emotional gesehen, alle positiven wie negativen Erlebnisse bzw. die daraus folgenden Glaubenssysteme. Jedes Kind fällt hin – hier kommt es drauf an, welchen Umgang das Kind gelernt hat. Hast es Trost und Halt bekommen oder wurde es ausgeschimpft? Zudem ist auch wichtig, wie uns selbst der Umgang mit Emotionen beigebracht wurde. Wenn die Eltern selbst viel überfordert waren, keinen Gefühlszugang hatten oder anderes destruktives Verhalten am Kind ausgelassen haben, speichert das Kind diese Erinnerungen ab. Eine entscheidende Zeit, deren Blick auf die Welt entscheidet: Nimmst Du sie bejahend oder verneinend wahr – sicher oder bedrohlich?
Du kannst diesen Anteil unterteilen in ein Sonnen- und Schattenkind nach Stephanie Stahl. Oder in ein freies, ein angepasstes und ein rebellisches Kind. Für mich ist letzteres passender, da es den hauptsächlichen Emotionen von Freude, Angst und Wut am nächsten kommt.
Dein ICH entspricht Deinem erwachsenen neutralen Anteil – kurz gesagt dem Verstand. Diese Einheit entwickeln wir im Laufe des Heranwachsens, um Dinge zu verstehen, einordnen und logisch verarbeiten zu können. Dieser Anteil trägt den inneren Beobachter in sich und kann quasi als inneren Erwachsenen für Dein inneres Kind verstanden werden. Hier treffen wir bewusste Entscheidungen – am ehesten bewusst, wenn wir das Unterbewusste bereits beobachten können und uns nicht blind leiten lassen. Darauf komme ich gleich nochmal zurück.
Dein Über-ICH beinhaltet die Anteile, die Du von Deinen Eltern übernommen hast – ob freiwillig oder nicht spielt hier leider keine Rolle. Eine typische Rolle ist der innere Kritiker. Meist finden wir hier Wortlaute der Eltern wieder, wenn wir selbst mit uns schimpfen. Natürlich gibt es auch andere Rollen. Wenn ein Elternteil zum Beispiel sehr ängstlich ist und Dir als Kind nichts zugetraut hat, kann sich das auch als Elternrolle in Dir festsetzen. Hier ist wichtig zu beobachten, ob die Angst aus der Elternstimme kommt oder ob sich Dein inneres Kind meldet. Die Elternteile lassen sich auch unterteilen in den kritischen Part und den fürsorglichen Part. Sprich, alles was wir auch als gute Erfahrungen und Eigenschaften der Eltern kennengelernt haben, färbt sich in uns ab.
Den inneren Beobachter aktivieren: Wann bin ich wer?
Alle Anteile aus dem Kind- und Eltern-ICH interagieren nicht nur in uns selbst. Sprich wir entdecken uns in diesen unterschiedlichen Anteilen und treten nach außen stets als kongruentes Wesen auf, das genau tut, fühlt und angeht, was es möchte. Was nicht ist, kann aber werden.
Zunächst ist wichtig zu wissen und dann bei Dir selbst zu erkennen, dass Deine inneren Anteile Dein gesamtes Wesen „einnehmen“ und den Film bestimmen können. Dann nimmst Du Welt eben aus der Sicht Deines inneres Kindes wahr oder als der kritische oder ängstliche Elternteil. Mal fühlen wir uns zum Beispiel im Kind verletzt und verlassen und reagieren entsprechend mit Rückzug oder einem Gefühl von Verzweiflung. Wenn wir im kritischen Elternteil landen, agieren wir im Außen dann ebenso abwertend wie unsere Eltern und stellen Erwartungen in einem sehr fordernden Ton, obwohl wir das vielleicht bewusst niemals wollten.
Kleiner Exkurs: Der Spruch – „So wie meine Eltern will ich niemals werden!“ – ist leider anteilig unmöglich, da Du zwangsläufig etwas von ihnen übernimmst. Wir können diese Anteile nur in uns entdecken und sie wieder rausschmeißen. Vor allem natürlich das, was uns selbst überhaupt nicht gut getan hat. (Beim Elternpart sprechen wir auch vom Introjekt – ein Identitätsanteil, der neben unserem eigenen Selbst auch unser Identitätserleben beeinflusst.)
Stoppe den inneren Film!
Um Dein eigenes Selbst zwischen all den Anteilen ausfindig zu machen bzw. hervorzuholen, dürfen die beschriebenen Anteile erst einmal kennengelernt und versorgt werden. Wie eine Zwiebel, die sich im Laufe Deiner Kindheit Schicht um Schicht um Deinen reinen Wesenskern gelegt hat, geht es nun rückwärts voran, sie wieder abzutragen. Dazu bieten sich diese Schichten von selbst an. Du musst also nichts Produktives tun – Lerne zu beobachten, was sich zeigt UND löse Dich aus der Identifikation!
Ein Beispiel: Solange Du glaubst, Deine innere Angst zu sein, bist Du mit ihr identifiziert. Damit hat sie Dich im Griff und die Emotion dazu fühlt sich maßlos überwältigend an. Handelt es sich dabei um Versagensängste, die Du in Deiner Kindheit entwickelt hast, dirigiert Dich in diesem Film Dein inneres Kind durch Dein Leben. Projekte, Beziehungen oder Träume werden dadurch niemals umgesetzt werden können, da sich Dein inneres Kind vor der erneuten Erfahrung eines möglichen Versagens schützen will. Und das wird es auch, wenn Du als erwachsene Instanz nicht lernst, diesen Film zu erkennen und Dein Kind an die Hand zu nehmen. Wie kannst Du das tun?
Den inneren Beobachter trainieren: Komme aus emotionalen Zuständen raus!
Es ist ein kontinuierliches Lernen, den eigenen Fuß in die bewusste Welt zu bekommen. Jeden Moment aufs Neue. Unser Gehirn ist dazu angelegt, einzuschlafen – sprich alles aus dem Autopiloten zu bewerkstelligen. In diesem Programm sind aber nun auch alle Erfahrungen eingespeichert, die Wunden hinterlassen haben. Da das System auf Selbsterhalt ausgelegt ist, wird es alles tun, um die Wunden zu umschiffen – bzw. eine neue Verletzung dazu zu umgehen. Der Sinn unserer Angst ist hier verborgen.
Wenn Du dies merkst – Momente, in denen Du Angst oder einen anderen Schutzmodus wahrnimmst – melde Dir selbst ein „Aha, das zeigt sich was in mir!“ zurück. Bringe Dich bewusst in die beobachtende Rolle, in der Du Deine Empfindungen wahrnimmst und Dich ihnen zuwendest. Es ist das erste Zeichen für das Unterbewusstsein – und damit für Dein inneres Kind – dass es Aufmerksamkeit bekommt und gesehen wird. Hier ziehst Du Dich aus dem Film raus, dass Dich diese Angst beispielsweise bestimmt. Es geht nun nicht darum, dass Du die Angst in den Griff bekommst, sondern sie verstehst. Frag sie und alle Deine anderen Emotionen – meist gebündelt in Trauer, Wut oder Angst – was sie bewegt:
- Wofür stehst Du?
- Welchen Schmerz birgst Du in Dir?
- Was willst Du mir sagen?
Mit diesen Fragen und einer inneren Geduld zeigt sich mehr und mehr in Dir ein Weg zur Schmerzquelle. Ein Ort, den Menschen nicht gern betreten aus Angst, dass sich diese Schmerzen zu überwältigend anfühlen. Ich verspreche Dir, das sind sie nicht. Unsere Psyche ist so klug konzipiert, dass wir alles ertragen können. Und meistens tragen wir bereits viel zu viel. Im Fühlen der Urwunder steckt neben der schmerzhaften Erfahrung auch viel Gefühl von Gnade, Erleichterung und Frieden. Ein verstecktes Lächeln, das Dein Kind an Dich richtet, weil es endlich erlöst wird und endlich aufhören kann zu kämpfen.




