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Weitere Informationen ‚Lieber Mensch,
von Vertrauen kann man nicht genug haben, oder? Ich meine damit nicht die aufgeplusterte Variante. Wir erkennen echtes Selbstvertrauen sofort und gespieltes eben auch. Echtes Selbstvertrauen leuchtet im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht kennst Du kleine Momente, wo Du es spüren kannst. Wo Dir etwas so gelungen ist, wie Du es Dir gewünscht hast. Und es ist Dein Verdienst, den Dir keiner nehmen kann. Vielleicht erlaubst Du Dir schon den Stolz, der damit einhergeht. Vielleicht ist da aber auch so ein Satz dabei wie „Ach komm, das ist doch gar nichts!“ oder „Das darf ich jetzt eigentlich nicht!“ Doch, wir dürfen – uns selbst und dem gesamten Leben vertrauen. Mit dem Kopf kann man sich das laut sagen. Das Gefühl und der innere Glaube mag dennoch was anderes verlauten, wenn die Geschichte eine andere Prägung aufweist.
Vertrauen ist eine Lebensbasis, die wir in uns tragen sollten, doch oft tief erschüttert wird. In diesem Beitrag gehe ich darauf ein, welche Geschehnisse zu Misstrauen und Verunsicherung beitragen und welche Erfahrung ich bis hierhin „selbst gemacht“ habe, um diese Basis neu aufzubauen.
Wenn (Ur-)Vertrauen einfach fehlt
Ein grundlegendes Vertrauen ins Leben macht uns selbstsicher und innerlich stabil. Vertrauen in Menschen ist eine unabdingbare Voraussetzung für Beziehungen auf jeder Ebene. Und das Vertrauen in uns selbst und unsere Persönlichkeit macht es uns möglich für uns loszugehen und in diesem Leben wahrlich zu erschaffen, was unseren Träumen entspricht. Wie sich das Gegenteil in diesen Bereichen anfühlt, weißt Du vermutlich. Situationen, in denen wir uns als Erwachsene nicht trauen, können emotional eine unglaubliche Zumutung sein! Es kommt dabei so viel zusammen: Zweifel, Ängste, Unwert, Misstrauen, Scham, Schuld… eine große Palette an dunklem Zeug.
Tiefes Misstrauen bringt Menschen erst gar nicht zusammen. Angst vor Nähe impliziert eben auch das „sich nicht trauen“. Welche Verletzung muss ein Mensch erfahren haben, dass sich diese Scheu zeigt? Rückversetzt in die Zeit, wo dieses Urvertrauen schwindet, sehen wir ein Kind – offen, unschuldig, nähebedürftig – das zwei Arten von Erfahrungen gemacht haben muss. 1. Das Bedürfnis nach Nähe wurde ihm versagt und es kam zu keiner innigen Bindung. 2. Das Bedürfnis wurde benutzt für eigene Zwecke und die entstehende Bindung wurde missbraucht. Nur ein Beispiel für Vertrauensverlust. Und so bekommt folgender Spruch eine tiefgreifende Bedeutung:
Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!
Vertrauen findet im Herzen statt. Es ist nichts, was wir uns herdenken können. Und genauso tief ist auch die Wunde, wenn das Urvertrauen verletzt oder auch zerstört wird. Bereits im Bauch während der Schwangerschaft wird ein Kind bereits freudig erwartet oder eben nicht. Als Baby und Kleinkind wird es angenommen und bekommt alles, was es braucht, oder nicht. Alle Erfahrungen, die einen kleinen offenen Menschen in seinem Vertrauen erschüttern, haben Auswirkungen auf unsere eigene Bewegungsfreiheit im Leben. Wir gehen vom Herzen in den Kopf. Die Psyche erschafft Schutzmechanismen, um uns vor erneuten Verletzungen zu schützen. Ein paar Beispiele aus eigener Erfahrung, wie das als Kind und später im Erwachsenenalter aussehen kann:
- Meine Mutter war selbst sehr ängstlich dem Leben gegenüber. Sie hat mir ebenso nichts zugetraut, egal welche Wünsche ich im Leben hatte. Stattdessen habe ich ihre Angst übernommen und meine Neugierde ist in sich zerfallen.
- Mein Vater war emotional nicht verfügbar. Dadurch fehlte mir Motivations- und Leitfigur, um weiter neugierig und kraftvoll die Welt zu erkunden.
- Als Adoptionskind war ich in erster Linie nicht gewollt und willkommen. Bereits in der Schwangerschaft habe ich um mein Leben bangen müssen und das Vertrauen völlig verloren, dass die Welt ein guter Ort ist – inkl. der Menschen darin.
Alle drei Szenarien haben bei mir dazu geführt, dass ich einen starken Schutzmechanismus entwickelt habe, der mich vor dem Leben bewahrt – in jeglicher Hinsicht. Ich habe alles und jeden kontrolliert – vor allem mich selbst. Die Schule war mein Gerüst, an dem ich mich festklammern konnte. Später war es die Ausbildung, die Uni, die Leistung und alles, was Beweise gebracht hat, dass ich doch zu irgendwas tauge und das Leben irgendwie meistern kann. Das Schlimme dabei war, dass ich es nicht anders kannte und mir lange auch kein anderes Leben vorstellen konnte.
Wie Vertrauen neu entstehen kann
Es gibt leider keine Tankstelle, wo wir uns als Erwachsene nochmal mit neuem Urvertrauen aufladen können, wenn wir feststellen, dass es uns mangelt. Wir können es uns aber selber aufbauen. Natürlich ist das unfair! Haben wir doch alle ein Leben mit guten Startbedingungen verdient! Zu akzeptieren, dass da nichts war, ist ein Weg. Und es tut weh und es nervt. Am liebsten würden wir doch gern den ganzen alten Schmutz in unserem System über Bord werden und endlich glücklich sein, oder?
So sieht der Weg auch aus. Altes raus. Eigenes freilegen. Dabei spielt der Frust eine wichtige Rolle. Wir brauchen Antrieb in uns, der uns raustreibt aus den alten Schleifen. Wenn Du genervt bist davon, dass da wieder so viele Steine im Weg liegen, dann ist das nach meiner Erfahrung ein gutes Zeichen. Wir dürfen frustriert sein, wenn wir nicht vertrauen können. Wenn es uns schwer fällt, Neues auszuprobieren, obwohl wir es uns so sehr wünschen. Wenn wir selbst mal wieder im Zweifel hängen, obwohl andere so sehr an uns glauben. Und wir ihnen eben nicht glauben, so sehr wir es auch wollen. Feedback und Zuspruch hilft erst, wenn die inneren Steine ins Rollen gekommen sind.
Die Hauptzutaten von Vertrauen sind Mut und Zeit.
Wo nichts ist, kann viel werden. In kleinen Schritten können wir wie damals als Kind neu lernen, uns der Welt anzuvertrauen und ebenso Vertrauen zu gewinnen. Mir hat zu Beginn geholfen, eine Entscheidung zu treffen und die mir die Antwort in den Momenten immer wieder hervorzuholen, wo ich mich selbst wieder im Zweifel entdeckt habe. Ich stelle Dir dieselbe Frage: Möchte ich mich aus diesem alten Drama befreien oder nicht?
Ich habe meinem inneren Kind geschworen, dass ich es aus dieser alten Soße raushole! In dem Moment, wo ich mir diese Entscheidung vergegenwärtige, werde ich wach und erkenne den erwachsenen Anteil in mir. Ich erinnere mich, dass ich diese Erfahrung habe, aber sie mich nicht mehr beherrschen kann – wie damals. Im Kontakt mit meinem inneren Kind habe ich gelernt, die inneren Emotionen zu erkunden, zu fühlen und so zu verarbeiten. Zweifel, Angst und auch dieses tiefe Gefühl, nicht begleitet worden zu sein, werden gesehen und können abfließen.
Der Mut darin liegt natürlich in dem „sich öffnen“ – sich selbst gegenüber. Ja, das ist eine innere Hürde, die wir überwinden müssen. Was mag da hoch kommen? Wie kann ich damit umgehen? Was braucht die innere Welt, um sich verstanden zu fühlen? Das habe ich selbst in Coachings und in der Therapie gelernt und erfahren. Im Allgemeinen ist es Mitgefühl, Verständnis und eine milde Haltung uns selbst gegenüber.
Mut selbst ist dabei nichts, was Du Dir aus der Luft greifen musst. Es gibt natürlich Veranlagungen, die den einen Menschen mutiger machen als den anderen. Und doch glaube ich fest an eine Kraft in uns, die uns alle fortbewegt, wenn wir lernen sie bewusst zu nutzen – und das ist Wut! Wir dürfen wütend werden auf unsere jüngsten Erfahrungen, auf die Anteile unserer Eltern, die uns nicht unterstützt haben, auf die Versäumnisse und verlorene Zeit, die wir nicht mehr zurückholen können. Wut mobilisiert und trägt in sich einen großen Veränderungsmotor. Wut setzt nicht nur Grenzen – sie sprengt sie auch! Alte Blockaden weichen, wenn wir uns selbst erlauben, es zu verdienen: In diese Welt und uns selbst vertrauen zu dürfen. So kommen mit der Zeit sichtbare und vor allem spürbare Veränderungen in Gang, die Du vermutlich lange nicht für möglich gehalten hast.




